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10 Siemens-NX-Tipps, die ich gerne früher gekannt hätte
Siemens NX · Wissen aus der Praxis
10 NX-Tipps, die ich gerne früher gekannt hätte.
Kleine Entdeckungen, die den Arbeitsalltag verändern – für Einsteiger und erfahrene Anwender. Gezeigt in Designcenter NX 2606.
Von Simon Worzischeck · NX- und Teamcenter-Trainer
Manchmal verändert ein kurzer Hinweis die Art, wie wir mit NX arbeiten. Eine Auswahlregel, die sich nachträglich anpassen lässt. Eine Skizze, die wir neu ausrichten können, statt sie noch einmal zu zeichnen. Oder eine Einstellung, mit der ein bisher unerreichbarer Punkt plötzlich auswählbar wird.
Solche Entdeckungen haben meine eigene Arbeit immer wieder erleichtert. In diesem Beitrag habe ich zehn davon zusammengestellt: meine persönlichen Favoriten aus rund zwanzig Jahren mit NX und aus den Fragen, die mir in meinen Trainings bis heute begegnen.
Aufgenommen habe ich das Video mit Siemens NX 2606, das du auch unter der Bezeichnung Designcenter NX 2606 findest. Viele der Tipps helfen dir ebenso in älteren Versionen; Unterschiede der Oberfläche und einzelner Funktionen ordne ich weiter unten ein.
Einblick in meine Arbeitsweise · Englisch
10 Tips I Wish I Knew Earlier
Alle zehn Tipps direkt in NX gezeigt. Über die Textkarten darunter gelangst du zum passenden Kapitel auf YouTube.
Komplexe Modelle gebaut. Und trotzdem noch dazugelernt.
Mein Einstieg in NX begann vor rund zwanzig Jahren mit NX 3 – noch bevor Siemens UGS übernahm. In meiner Arbeit als Industriedesigner bei der Krones AG beschäftigte ich mich früh mit anspruchsvollen Freiformkonstruktionen im Behälterdesign. Ich konnte komplexe Formen aufbauen und entdeckte trotzdem erst nach und nach Möglichkeiten, die mir alltägliche Arbeitsschritte deutlich erleichterten.
Viele dieser Möglichkeiten gab es damals bereits. Sie waren mir nur nicht gezeigt worden oder begegneten mir erst später bei einer konkreten Aufgabe. Aus eigener Anwendung wurden mit der Zeit Trainings, Beratung und die Entwicklung von Lerninhalten. Seit der Gründung von Bizlearn 2018 gebe ich diese Erfahrungen in meinen Schulungen weiter.
Warum gerade diese zehn Tipps? Weil ich die entsprechenden Fragen immer wieder höre – besonders im zweitägigen Live-Webinar zu Konstruktionsmethoden. Auch erfahrene Anwender entdecken dort Bedienwege und Zusammenhänge, die ihnen bisher entgangen sind. Dieses direkte Feedback ist für mich ein wichtiger Maßstab dafür, was im Arbeitsalltag wirklich hilft.
Meine persönlichen Top 10
Welcher Tipp hilft dir heute weiter?
Wähle ein Thema aus der aufklappbaren Übersicht oder blättere durch die zehn Tipps. Jede Karte erklärt den Bedienweg und den Gedanken dahinter. Die Kapitelverweise öffnen das Video an der passenden Stelle.
Themenübersicht – alle zehn Tipps
Tipp 1 · Video ab 00:56
Objekte schneller einem Layer zuweisen
Wenn du die Zielnummer schon kennst, brauchst du für die Layerzuweisung keinen langen Umweg. Über „Edit Object Display“ lässt sich ein Objekt direkt einem anderen Layer zuordnen. Entscheidend ist dabei, welches Objekt NX aus deiner Auswahl übernimmt.
Wähle den Körper, eine Skizze oder ein zum Körper gehörendes Feature aus und öffne mit Strg + J „Edit Object Display“.
Trage im bereits aktiven Layerfeld die gewünschte Nummer ein und bestätige mit Enter.
Wenn du lieber mit der Maus arbeitest, ergänze den Befehl unter „Customize“ in der Auswahlleiste für „All Objects“.
Mehrere Verrundungsradien ändern, ohne jedes Feature einzeln zu öffnen: Markiere die betreffenden Features im Part Navigator und bearbeite ihre Parameter in einem gemeinsamen Dialog. Auch unterschiedliche Featuretypen lassen sich zusammen auswählen.
Markiere die Features im Part Navigator und drücke Enter – alternativ wählst du „Edit Parameters“ im Kontextmenü.
Ändere die Werte im Dialog „Feature Group“. Mit der Tabulatortaste wechselst du zügig zwischen den Eingabefeldern.
Prüfe die Einträge unter „Resolve Reference“ und bestätige die Änderungen. Dort lassen sich bei Bedarf auch Referenzen und Auswahlregeln anpassen.
Eine vergessene Verrundung muss nicht automatisch ans Ende des Modells. Oft gehört sie an einen früheren Punkt – sobald die benötigte Geometrie verfügbar ist. Mit der Spalte „Current Feature“ erreichst du diesen Modellzustand direkt.
Klicke im Part Navigator in die Spalte „Current Feature“ neben dem Feature, nach dem du weiterarbeiten möchtest.
Erzeuge die fehlende Geometrie an dieser Stelle. Die späteren Features bleiben vorhanden, sind vorübergehend aber nicht aktiv.
Setze anschließend das letzte Feature wieder aktuell und prüfe, ob das vollständige Modell korrekt aktualisiert wird.
Wichtige Maße sollten leicht auffindbar sein. Mit benannten Ausdrücken kannst du zentrale Werte bündeln und mehrere Features von demselben Parameter steuern lassen. Dafür musst du nicht zuerst den Expression Editor öffnen.
Gib in einem Zahlenfeld einen Namen, ein Gleichheitszeichen und den Wert ein – zum Beispiel radius_basis=5.
Verwende den Ausdruck in einem weiteren Feature. Beginne seinen Namen einzugeben und wähle ihn aus den Vorschlägen aus.
Öffne im Part Navigator den Bereich „User Expressions“, ändere den Wert per Doppelklick und prüfe die abhängigen Features.
Eine Auswahlregel beschreibt, wie NX Geometrie auswählt und auf spätere Änderungen reagieren soll. Du musst eine bestehende Auswahl nicht löschen, nur weil du die Regel ändern möchtest. Ein Rechtsklick auf die ausgewählte Geometrie öffnet den direkten Zugang.
Wähle die Startkurve aus und öffne auf der markierten Geometrie das Kontextmenü.
Prüfe die mit einem Häkchen gekennzeichnete Regel. Im Beispiel wechseln wir von „Single Curve“ zu „Tangent Curves“.
Ergänze für die gezeigte Kontur „Follow Fillet“ und kontrolliere die hervorgehobene Auswahl, bevor du die Extrusion abschließt.
„Front“, „Top“ oder „Trimetric“ findest du an mehreren Stellen. Ein Wechsel der Model View kann jedoch mehr ändern als die Blickrichtung: Auch Darstellungsart und Layer-Sichtbarkeit können zur jeweiligen Modellansicht gehören.
Überlege zuerst, ob du nur die Blickrichtung ändern oder eine gespeicherte Model View mit ihren Anzeigeeinstellungen aktivieren möchtest.
Nutze zum schnellen orthogonalen Ausrichten „Snap View“ über F8 oder das View Radial. Auch die Orientation Box hilft bei der Ausrichtung.
Für eine bestimmte Orientierung wie „Trimetric“ kannst du im freien Grafikbereich über „Orient View“ gehen.
Bohrungen mit bewusst gewählten Referenzen aufbauen
Eine Bohrung, die direkt an einer Körperkante hängt, kann bei deren Wegfall scheitern. Eine Positionierungsskizze bietet mehr Möglichkeiten, die Abhängigkeiten gezielt aufzubauen. Besonders wichtig sind dabei ihre horizontale Referenz und ihr Ursprung.
Erzeuge im Befehl „Hole“ eine Positionierungsskizze auf der gewünschten Trägerfläche.
Wähle für Ausrichtung und Ursprung möglichst frühe, geeignete Referenzen – im Video eine Achse und den Ursprung des Basis-Koordinatensystems.
Positioniere den Punkt, schließe die Skizze ab und prüfe das Verhalten der Bohrung bei einer Änderung an der umgebenden Geometrie.
Eine falsch ausgerichtete Skizze musst du nicht sofort löschen und neu aufbauen. „Reattach“ kann ihre Platzierung korrigieren und vorhandene Folgefeatures erhalten. Der vereinfachte Weg über ein Koordinatensystem macht den Befehl oft leichter zugänglich.
Öffne bei einer externen Skizze mit neuem Sketch Solver im Part Navigator per Rechtsklick „Reattach“.
Wechsle die Ebenenmethode auf „Inferred“ und wähle die passende Ebene des Bezugskoordinatensystems. Im gezeigten Beispiel übernimmt NX daraus auch Ausrichtung und Ursprung.
Kontrolliere die Orientierung, nutze bei Bedarf die Umkehrschalter und prüfe nach dem Anwenden die abhängigen Features.
Die mittlere Maustaste kann deutlich mehr als „OK“. Je nach Dialog startet sie eine Skizze, schließt ein Werkzeug oder fügt einen weiteren Auswahlsatz hinzu. Wer die jeweilige Aktion erkennt, kann flüssiger zwischen Geometrie und Befehlen arbeiten.
Achte im Dialog auf die hervorgehobene Aktion. Im „Legacy“-Theme ist sie deutlich grün markiert.
Verfolge im Beispiel den Wechsel von „Create Sketch“ über „OK“ und „Close“ bis zu „Add New Set“.
Unterscheide „OK“ und „Apply“: „Apply“ lässt den Befehl geöffnet. NX merkt sich die zuletzt verwendete Variante für den jeweiligen Befehl.
„Warum kannst du diesen Punkt auswählen und ich nicht?“ Diese Frage höre ich regelmäßig im Training. Oft liegt es an zwei Auswahloptionen: „Highlight Hidden Edges“ und „Allow Selection of Hidden Wireframe“.
Aktiviere beide Optionen in der Selection Group der oberen Border Bar. Fehlende Schaltflächen blendest du über die Border Bar Options ein.
Bewege den Mauszeiger über die benötigte, verdeckte Geometrie. Im Beispiel liegt der Skizzenpunkt hinter dem Körper.
Öffne die QuickPick-Liste und wähle gezielt den passenden Punkt als Referenz aus.
Designcenter NX 2606 im Continuous-Release-Zyklus einordnen
Das Video wurde mit Siemens NX 2606 aufgenommen, dem Release vom Juni 2026. Wenn du nach Designcenter NX 2606 suchst, ist dieselbe Produktlinie gemeint: Siemens führte die Bezeichnung „Designcenter NX“ im Januar 2025 ein. Mit dem Juni-2026-Release heißt die CAD-Software offiziell Designcenter.
Die Versionsnummer folgt dem Schema Jahr und Monat: 2606 steht für Juni 2026, 2512 für Dezember 2025. Im Continuous-Release-Modell erscheinen regelmäßig neue Hauptversionen.
Die zehn Tipps sind eine Sammlung bewährter Arbeitsweisen, keine Übersicht über die Neuerungen von 2606. Viele Funktionen und Grundgedanken sind auch in älteren NX-Versionen nutzbar; Befehlszugänge, Oberflächendetails und einzelne Optionen können abweichen. Insbesondere die gezeigten Skizzenabläufe berücksichtigen den neuen Sketch Solver.
NX lernen mit Bizlearn
Aus einem Aha-Moment wird eine sichere Arbeitsweise.
Ein Tipp ist ein guter Anfang. Im Training übst du, wann er zu deiner Aufgabe passt und wie er sich in einen nachvollziehbaren Modellaufbau einfügt. Dafür gibt es zwei unterschiedliche Lernwege, die du kombinieren kannst.
Flexibel Grundlagen aufbauen
NX Einsteiger-Videotraining
Im Einsteigerangebot lernst du NX Schritt für Schritt an praktischen Aufgaben kennen. Rapid Basics, New Sketch Solver und CAD Secrets verbinden Bedienung, Geometrie und Konstruktionsmethodik. Du kannst Inhalte wiederholen und bei Fragen direkt mit mir sprechen.
Du bestimmst dein Lerntempo und setzt das Gezeigte in eigenen Übungen um. So entwickelst du Sicherheit im Umgang mit Skizzen, Features und ihren Abhängigkeiten. Die Videos stehen dir zum Nachschlagen zur Verfügung, wenn im Arbeitsalltag neue Fragen auftauchen – und bereiten dich darauf vor, Methoden im Live-Webinar gezielt zu vertiefen.
Du bringst erste NX-Grundkenntnisse mit und löst Konstruktionsaufgaben gemeinsam mit mir. Wir machen Wissenslücken sichtbar, prüfen Referenzen und vertiefen Methoden im Baugruppenkontext – mit Zeit für deine Fragen.
Genau hier tauchen viele der zehn Themen immer wieder auf. Die Rückmeldungen aus diesen Live-Trainings haben meine Auswahl für das Video geprägt. Der zweitägige Methodenkurs ist ein eigenständiges Live-Angebot und kann ergänzend zum Videotraining gebucht werden.
Ein früher Bezug statt einer kurzlebigen Körperkante. Eine überschaubare Skizze. Ein Feature an der passenden Stelle der Modellhistorie. Mehrere der Tipps führen zu derselben Frage: Wie baue ich ein Modell auf, das sich später nachvollziehbar ändern lässt?
Meine Siemens NX Design Guideline verbindet dafür die Prinzipien Connectivity, Simplicity und Modularity. Sie hilft dir, einzelne Bedienentscheidungen in eine durchgängige Konstruktionsmethodik einzuordnen.
Mich interessieren die kleinen Entdeckungen, die einen Unterschied machen. Meine Erfahrung aus Industriedesign, Training und Beratung fließt in die Beispiele ein; deine Fragen helfen mir, die nächsten Themen auszuwählen.
Welchen NX-Tipp hast du erst spät entdeckt? Schreib ihn in die Kommentare unter dem YouTube-Video. Vielleicht entsteht daraus der nächste Aha-Moment für jemand anderen.